Schwangerschaftsdiabetes

Als Schwangerschafts- oder Gestationsdiabetes bezeichnet man eine erstmals in der Schwangerschaft auftretende Störung des Zuckerstoffwechsels. Er ist eine der häufigsten Begleiterkrankungen während der Schwangerschaft. Im Jahr 2010 waren rund 3,7 % der Schwangeren – das entspricht ca. 24.000 Frauen - davon betroffen.

Wie wird Schwangerschaftsdiabetes festgestellt?

Meistens tritt Schwangerschaftsdiabetes zwischen dem 4. und 8. Schwangerschaftsmonat auf. In der Regel verläuft er symptomarm, das heißt die typischen Anzeichen eines Diabetes, wie starker Durst oder häufiges Wasserlassen, fehlen. Aus diesem Grund sollte bei allen Schwangeren zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche ein oraler Glukosetoleranztest durchgeführt werden: Dafür müssen Sie 75g Glukose als Zuckerlösung auf nüchternen Magen trinken. Im Anschluss wird Ihnen in bestimmten Abständen Blut entnommen und auf den Zuckergehalt hin untersucht. Die Kosten der Untersuchung werden von Krankenkasse übernommen. Wenn Sie ein erhöhtes Risiko für Schwangerschaftsdiabetes haben, wird Ihr Arzt schon bei Ihrem ersten Besuch durch eine Blutuntersuchung feststellen, ob Ihre Zuckerwerte bereits erhöht sind.

Erhöhtes Risiko besteht bei folgenden Merkmalen:

  • Übergewicht
  • Diabetes bei Eltern oder Geschwistern
  • Vorangegangene Geburt eines Kindes mit > 4500 g Geburtsgewicht
  • Schwangerschaftsdiabetes in einer vorangegangenen Schwangerschaft
  • Wiederholte Fehlgeburten
  • Bluthochdruck oder Fettstoffwechselstörungen

Mögliche Folgen

  • Dauerhaft überhöhte Insulin- und Zuckerspiegel im Blut können bewirken, dass das Baby mehr Nährstoffe zur Verfügung hat als üblich und daher überdurchschnittlich wächst (Makrosomie).
  • Aufgrund der Größe des Babys kann es während der Geburt zu Komplikationen bei Mutter und Kind kommen. Oft wird vorbeugend ein Kaiserschnitt gemacht.
  • Dauerhaft überhöhte Blutzuckerspiegel bei der Mutter erhöhen das Risiko für eine Frühgeburt. Es kann zu verschiedenen Reifungsstörungen kommen und in extremen Fällen sogar zum Tod des Kindes im Mutterleib.
  • Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes haben ein erhöhtes Risiko für  Blasen- und Vaginalinfektionen, welche die Gefahr einer Frühgeburt noch zusätzlich steigern.
  • Schwangerschaftsdiabetes ist häufiger mit Bluthochdruck verbunden. Daraus kann sich manchmal eine Schwangerschaftskomplikation entwickeln, die als Präeklampsie bezeichnet wird. Es kommt zu einer Eiweißausscheidung im Urin und zu Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödembildung). Zusätzlich können Kopfschmerzen, Augenflimmern und Übelkeit auftreten. Diese Situation ist für Mutter und Kind gefährlich und muss fachärztlich behandelt werden.

Wie wird Schwangerschaftsdiabetes behandelt?

Das wichtigste bei Schwangerschaftsdiabetes ist, die Blutzuckerwerte zu normalisieren. Lassen Sie sich dafür in einer diabetologischen Schwerpunktpraxis oder einem Geburtszentrum, das sich auf die Behandlung von Schwangeren mit Diabetes spezialisiert hat betreuen.

  • Eine individuelle Ernährungsberatung zeigt Ihnen, wie Sie mit einer sinnvollen Diät den Blutzucker unter Kontrolle halten
  • Halten Sie die empfohlene Gewichtszunahme während  der Schwangerschaft möglichst ein. Wie viel Sie zunehmen dürfen, ist dabei abhängig von Ihrem Körpergewicht vor der Schwangerschaft.
  • Körperliche Bewegung, z.B. ein leichtes Ausdauer- oder Krafttraining trägt dazu bei, Ihren Blutzuckerspiegel zu senken. Außerdem bleiben Sie im Laufe der Schwangerschaft und während der Geburt belastbarer. Lassen Sie sich in jedem Fall vorher von Ihrem Frauenarzt beraten.
  • Wenn Sie trotz einer Ernährungsumstellung und vermehrter Bewegung immer noch überhöhte Blutzuckerwerte haben, kann eine Behandlung  mit Insulin notwendig sein. Etwa 15 % der Frauen mit Gestationsdiabetes müssen Insulin spritzen.

Diabetesrisiko im späteren Leben

Mütter mit Schwangerschaftsdiabetes haben ein erhöhtes Risiko, später Diabetes zu bekommen.

  • Bei etwa 5 % der betroffenen Frauen bleibt im Anschluss an die Schwangerschaft ein manifester Diabetes bestehen.
  • Rund 20 % haben im ersten Jahr nach der Schwangerschaft zwar keinen Diabetes mehr, weisen aber bereits einen dauerhaft gestörten Blutzuckerstoffwechsel (Prädiabetes) auf.
  • Insgesamt entwickelt sich nach einem Schwangerschaftsdiabetes im Laufe von 10 Jahren bei bis zu 60% der Frauen ein manifester Diabetes.
Alle Schwangeren mit Gestationsdiabetes sollten nach 6 -12 Wochen einen weiteren oralen Glukosetoleranztest durchführen, um sicher zu gehen, dass sich der Zuckerstoffwechsel wieder normalisiert hat. Auch bei einem normalen Ergebnis sollte der Test alle 2-3 Jahre wiederholt werden. Lesen Sie hier, wie Sie dem Risiko, später an Diabetes zu erkranken, wirkungsvoll vorbeugen können:

Quellen:

  • Kleinwechter H. et al: Gestationsdiabetes mellitus (GDM). Evidenzbasierte Leitlinie zu Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Erstveröffentlichung 8/2011. Online unter: www.dggg.de/fileadmin/public_docs/Dokumente/Leitlinien/3-3-3-Gestationsdiabetes-2011.pdf Kleinwechter H. et al: Gestationsdiabetes mellitus (GDM) – Diagnostik, Therapie und Nachsorge. Praxisleitlinie der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Diabetologie 2011; 6: S180-S190.

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