Diabetes und Schwerbehindertenausweis

Als Eltern eines Kindes, das Insulin spritzen muss, können Sie für Ihr Kind einen Behindertenausweis beantragen. Im Folgenden möchten wir Ihnen die Vor- und Nachteile eines solchen Ausweises aufzeigen und Sie mit wichtigen Tipps beim Beantragungsprozess unterstützen.

Wer kann einen Behindertenausweis bekommen?

Personen, deren Teilnahme am Gesellschaftsleben durch eine dauerhaft körperliche Einschränkung beeinträchtigt ist, gelten als behindert und können einen Behindertenausweis beantragen.1 Das gilt auch für Personen mit Typ-1-Diabetes.

Das Ausmaß der der Beeinträchtigung wird dabei auf einer Skala von 0 bis 100 ausgedrückt, dem sogenannten Grad der Behinderung (GdB) oder auch Grad der Schädigung (GdS). Ab einem GdB von 50 gilt man als schwerbehindert. Der Grad der Behinderung wird in Folge eines Antrags festgestellt.

Für Diabetespatienten, die Insulin spritzen, gelten folgende Voraussetzungen:5

Grad der Behinderung von: Kriterien
30 - 40
  • Therapie kann eine Unterzuckerung auslösen
  • Es wird mind. 1-mal täglich der Blutzucker gemessen (und dokumentiert)
  • Patient ist durch weitere Einschnitte in der Lebensführung beeinträchtig
50 (Schwerbehinderung)
  • Insulintherapie mit täglich mind. 4 Injektionen
  • Patient ist durch erhebliche Einschnitte gravierend in der Lebensführung beeinträchtigt
  • Insulindosis wird selbstständig angepasst
  • Blutzuckermessungen und Insulingaben werden dokumentiert
Welche Vorteile hat der Behindertenstatus?

Für Kinder und Jugendliche mit Diabetes können steuerliche Vorteile geltend gemacht werden, sofern ihnen vom Versorgungsamt “Hilflosigkeit” (Merkmal H) bescheinigt wurde:

Hilflosigkeit (oder Merkmal "H"): Meist bekommen Kinder es problemlos bis zum 16. Lebensjahr zuerkannt. Im Einzelfall kann es auch über den 16. Geburtstag hinaus bis zum 18. Geburtstag zuerkannt werden, wenn z.B. zusätzlich eine Lernbehinderung vorliegt oder der Jugendliche aus anderen Gründen noch weiter auf intensive Hilfe bei der Therapieführung angewiesen ist.3

GdB 40 und Hilflosigkeit

  • Es wird ein jährlicher Steuerfreibetrag pauschal in Höhe von 3.700 Euro gewährt2,6
  • Ggf. kann man zusätzlich einen Pflege-Pauschalbetrag und Aufwendungen für die Hilfe im Haushalt geltend machen6
  • Mit dem Merkmal "H" können zudem sämtliche durch ein Fahrtenbuch oder Aufzeichnungen belegte Kosten für Fahrten mit dem Kind (also Urlaubs-, Freizeit- oder Besuchsfahrten) im angemessenen Rahmen als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden6

GdB 50 und Hilflosigkeit

  • Ihr Kind hat zusätzlich Anspruch auf kostenlose Beförderung im öffentlichen Personennahverkehr2

Welche Nachteile hat der Behindertenstatus?

Trotz der zahlreichen Vorteile kann der Behindertenstatus auch einige Probleme mit sich bringen:

  • Gerade bei jugendlichen Typ-1-Patienten, die einen Ausbildungsplatz suchen oder noch am Anfang ihres Berufslebens stehen, kann eine Schwerbehinderung (GdB 50) zu Benachteiligungen führen. Eine bevorzugte Einstellung von schwerbehinderten Menschen ist nicht immer sicher2
  • Bei Heranwachsenden kann sich die Feststellung eines Behindertenstatus auch psychisch emotional auswirken, indem sie zu Minderwertigkeitsgefühlen und anderen Persönlichkeitsproblemen führt. Dies gilt besonders, wenn die jungen Menschen mit Diabetes eigentlich voll leistungsfähig sind2.

Einen Schwerbehindertenausweis kann man nicht zurückgeben:
Die aktenkundige Schwerbehinderung bleibt auch nach Ablauf der Gültigkeit bestehen. Der einmal festgestellte Status kann nur durch eine Veränderung der medizinischen Voraussetzungen geändert werden. Jugendliche, die kurz vor der Ausbildung stehen, sollten daher die Vorteile und die Nachteile gut gegeneinander abwägen.

Wo stelle ich den Antrag?
  • Beim zuständigen örtlichen Versorgungsamt. Anträge erhält man dort oder im Sozialamt, in kommunalen Bürgerbüros, Behindertenverbänden und Schwerbehindertenvertretungen von Betrieben.
  • Nach Eingang des Antrages fordert das Versorgungsamt dann von den behandelnden Ärzten, die der Antragsteller angegeben hat, Befundberichte an. Von den Eltern wird in der Regel ein Blutzuckertagebuch angefordert.
Was ist einem Antrag bezufügen?

Der Antragsteller sollte möglichst umfassend schildern, in wieweit er durch den Diabetes in der Lebensführung beeinträchtigt ist. Im Folgenden haben wir dafür beispielhaft einige Anhaltspunkte zusammengestellt, die bei der Antragstellung als Orientierungshilfe dienen können, aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben.

A. Blutzuckertagebuch: Dokumentation von

  • mindestens vier Blutzuckerwerten und vier Insulinangaben am Tag über mindestens drei Monate.
  • der jeweiligen Insulinanpassung und des aktuellen Blutzzuckerwerts pro Mahlzeit.
  • jede Änderung der Insulindosierung und extra BE/KE z.B.
    • vor, während oder nach Sport
    • bei Krankheit
    • anderen, den Blutzuckerverlauf möglicherweise beeinflussenden Situationen (z.B. Kindergeburtstag, Stress bei Klassenarbeit, Übernachtung bei Freunden)

B. Beschreibung des Therapieaufwandes:

  • Zeitangaben für Messen, Spritzen und Nahrungsberechnung
  • ggf. die hierfür erforderliche Begleitung des Kindes in Schule oder Kindergarten.
  • Alle Belastungen, die sich durch den Diabetes ergeben. Beispiele:
    • Probleme beim Sport
    • Ärger in der Schule, psychische Belastung, Minderwertigkeitsgefühle, Ausgrenzung
    • Schwirigkeiten bei der Ernährung
    • Konzentrationsstörungen bei Klassenarbeiten

C. Krankenhausentlassungsberichte

Wie lange ist der Ausweis gültig?
  • Der Ausweis ist maximal 5 Jahre gültig, danach muss man ihn verlängern lassen.
  • Für Kinder unter 10 Jahren gilt er bis zum Ende des 10. Lebensjahres.
  • Für Kinder zwischen 10 und 15 Jahren gilt er bis zum 20. Lebensjahr.4

Quellen:

  1. Sozialgesetzbuch (SGB) Neuntes Buch (IX) - Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen. Online unter www.gesetze-im-internet.de/sgb_9/BJNR104700001.html
  2. Ebert, O.: Diabetes: Ihr Recht im Alltag.MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Berlin, 2011: S. 1-12
  3. Ebert, O; Ziegler, R; von Sengbusch, S: Ausstellung eines Schwerbehindertenausweises – neue Regeln in der Praxis. Diabetes-Eltern-Journal, 4 (1), 2011: S. 27. Online unter www.diabetes-eltern-journal.de/service/schwerbehinderung/ebert.html und www.diabetes-eltern-journal.de/service/schwerbehinderung/ziegler-von-sengbusch.html
  4. Haaß, S.: Behindertenausweis für Kinder mit Diabetes? Diabetes Ratgeber 13.05.2012; online unter: www.diabetes-ratgeber.net/Diabetes/Behindertenausweis-fuer-Kinder-mit-Diabetes-167173.html
  5. Hägele, M.: Diabetes und Schwerbehinderung. Beta Institut gemeinnützige GmbH. Online unter www.betanet.de/betanet/soziales_recht/Diabetes---Schwerbehinderung-163.html
  6. Katja Kruse, Steuermerkblatt für Familien mit behinderten Kindern 2012/13, Herausgeber: Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e.V.; Brehmstr. 5-7; 40239 Düsseldorf, Stand Januar 2013, online unter http://bvkm.de/wp-content/uploads/Steuermerkblatt_2015%EF%80%A22016online.pdf

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