Diabetes und Ausbildung

Dank moderner Therapiemethoden sind junge Diabetes-Patienten genauso leistungsfähig wir ihre Altersgenossen. Laut Empfehlungen der DDG1 können Menschen mit Diabetes grundsätzlich alle Berufe ausüben.

Was muss bei der Berufsauswahl beachtet werden?1

Die Berufswahl sollte sich vor allem an persönlichen Interessen, Begabungen und Fähigkeiten orientieren. Die Wahl des Wunschberufes kann jedoch im Einzelfall durch bestimmte Bedingungen eingeschränkt sein. Dies gilt beispielweise, wenn das Auftreten von Unterzuckerungen bei manchen beruflichen Tätigkeiten für den Betroffenen selbst oder für andere Menschen eine Gefahr darstellt. Bei einer Neigung zu schweren Unterzuckerungen können deshalb die folgenden Berufe eher ungeeignet sein:

  • Arbeiten mit Absturzgefahr, wie Dachdecker etc.
  • Tätigkeiten der Personenbeförderung
  • Berufe mit Schusswaffenumgang (Polizei)
  • Überwachungstätigkeiten, z.B. an Industriemaschinen, Fluglotse

Ungünstig können auch Berufe sein, die eine Planung regelmäßiger Tagesabläufe und die Stoffwechselselbstkontrolle erschweren:

  • Arbeiten im Schichtdienst
  • Berufe mit unregelmäßigen Essenszeiten oder stark wechselnder körperlicher Belastung
  • Berufe mit Schutzkleidung, die das Spritzen erschweren (Taucher)
Sollte der Diabetes bei der Bewerbung angegeben werden?

Bei einem Bewerbungsgespräch muss die Diabetes-Erkrankung nicht ungefragt genannt werden. Fragen des potentiellen Arbeitgebers nach dem Gesundheitszustand sind grundsätzlich unzulässig. Die Frage nach chronischen Krankheiten oder nach Diabetes muss daher nicht beantwortet werden oder darf sogar wahrheitswidrig verneint werden.2

Muss eine Schwerbehinderung in der Bewerbung angegeben werden?
  • Nach derzeitiger Rechtsauffassung darf ein Arbeitgeber nicht mehr nach einer Schwerbehinderung fragen.2 Stellt er die Frage dennoch, ist die Empfehlung zur ihrer Beantwortung jedoch umstritten.
  • Für Arbeitgeber ist die Einstellung eines Schwerbehinderten mit zahlreichen Pflichten verbunden (z.B. Mehrurlaub und erhöhter Kündingungsschutz). Die Bekanntgabe des Status kann daher gerade für Berufsanfänger ein „K.O.-Kriterium“ bei der Jobsuche darstellen.
  • Wird die Frage wahrheitswidrig verneint, führt diese Lüge schlimmstenfalls zur Anfechtung des Arbeitsvertrages und Kündigung des Arbeitsverhältnisses.2
  • Jeder muss selbst die Risiken gegeneinander abwägen, ein Arbeitsverhältnis mit einer Lüge zu beginnen, oder eine Stelle aufgrund einer Schwerbehinderung möglicherweise gar nicht erst zu erhalten.
Spielt Diabetes im Studium eine Rolle?
  • Studienbewerber mit Behinderung oder chronischer Erkrankung können unter bestimmten Bedingungen bei der möglichen Studienplatzvergabe einen Nachteilausgleich beantragen.3
  • Je nach Universität kann ein Student mit Diabetes einen Antrag auf Befreiung oder Reduzierung der Studiengebühren stellen. Der Besitz eines Schwerbehindertenausweises ist dabei von Vorteil.4
  • Auch bei Prüfungsleistungen ist ein Nachteilausgleich möglich, wie z.B. eine Zeitverlängerung für Klausuren oder eine Verlängerung der Prüfungszeit, wenn Unterbrechungen der Prüfungsvorbereitungen wegen schlechten Gesundheitszustandes notwendig waren. Hierfür wendet man sich an die oder den Beauftragte/n für die Belange behinderter Studierender der eigenen Hochschule.

Quellen

  1. Berufsempfehlungen des Ausschuss Soziales der DDG: Diabetes und Arbeit. Konietzko, Dupuis, Letzel, Nowak – Handbuch der Arbeitsmedizin – 43. Erg. Lfg. 9/06, online unter: www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/fileadmin/Redakteur/Ueber_uns/Ausschuesse_Kommisionen_Jury/Ausschuss_Soziales/Berufsempfehlungen_2007.pdf
  2. Ebert, O.: Diabetes: Ihr Recht im Alltag.MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Berlin, 2011, S. 15, 16, 20
  3. Studium und Behinderung. Praktische Tipps und Informationen für Studieninteressierte und Studierende mit Behinderung/chronischer Krankheit, 6. Aufl., Berlin 2005; Herausg.: Informations- und Beratungsstelle Studium und Behinderung des Deutschen Studentenwerks, online unter: www.studentenwerke.de/pdf/Studium_Behinderung_komplett.pdf
  4. Einführung von allgemeinen Studiengebühren/Studienbeiträgen –Nachteilsausgleichsregelung für Studierende mit Behinderung/chronischer Krankheit. Empfehlung des Deutschen Studentenwerks; Berlin, Juli 2006, online unter www.studentenwerke.de/pdf/StuBeh_Nachteilsausgleich_07_2006.pdf

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